Betriebsökonom Claudio Capaul verstärkt Menschen für Menschen Schweiz

Zürich, 22. Dezember 2015 – Menschen für Menschen Schweiz hat sein Team um einen ausgewiesenen Finanzfachmann verstärkt. Seit November zeichnet der Zürcher Betriebsökonom Claudio Capaul, 36, für die Bereiche Finanzen und Controlling verantwortlich. Eine erste Inspektionsreise führte ihn bereits in die äthiopischen Projektgebiete. „Die Armut in den städtischen Slums traf mich wie ein Schock“, berichtet Capaul nach seiner Rückkehr ins Zürcher Büro der Stiftung. „Gerade die Lage der Kinder ist schwer erträglich.“ Umso wichtiger sei es, dass die Stiftung ihre Mittel effizient einsetze, um möglichst viele Lebenschancen zu eröffnen, betont der Finanzexperte.

Nach einem Studium der Betriebsökonomie an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften arbeitete Capaul unter anderem für die Credit Suisse, für den Reiseveranstalter Kuoni und zuletzt als Leiter Finanzen bei einem Vermögensverwalter. In seinem neuen Verantwortungsbereich bei Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe komme ihm zugute, dass er immer in einem internationalen Umfeld gearbeitet habe, sagt Claudio Capaul: „Wenn ich etwas erreichen will bei anderen Menschen, macht der Ton die Musik, und die ist nicht in allen Kulturen gleich.“

Seine interkulturelle Kompetenz ist bei der Arbeit mit den lokalen Partnern von Menschen für Menschen in Äthiopien wichtig. Die Stiftung arbeitet eng mit einheimischen Entwicklungshilfe-Organisationen zusammen. Deren Effizienz zu überprüfen und gegebenenfalls zu steigern, gehört zu den Monitor-Aufgaben von Claudio Capaul. In vierteljährlichen Berichten weisen die äthiopischen Partner ihre Tätigkeiten und Ausgaben nach. „Unsere Partner arbeiten nicht nur fachlich, sondern auch buch-halterisch auf einem hohen Niveau“, zieht Capaul ein erstes Fazit. „Doch sehe ich mich auch als Coach, der die Finanzberichterstattung in Details noch transparenter und aussagekräftiger zu machen hat.“

Die Armut in den städtischen Slums habe ihn als zweifachen Vater schwer getroffen, sagt der Betriebsökonom. Etwa in der Stadt Debre Berhan, wo die Stiftung 1000 Kindern aus den ärmsten Familien Lebenschancen eröffnet. Die Familien sind so arm, dass sie ihren Kindern nicht einmal Hefte und Stifte kaufen können – also bleiben die Kinder der Schule fern. „Sie leben in Hütten aus Ästen, Pappe und Plastikplanen auf wenigen Quadratmetern, oft mit Hühnern in einem Raum. Nicht nur die Mütter, auch schon die Kinder haben häufig einen leeren Blick“, berichtet Capaul. „Diese Eindrücke haben mich derart verfolgt, dass ich einige Nächte kaum schlafen konnte.“ Das Projekt der Schweizer Stiftung setzt breit an, um die Lage zu bessern, unter anderem mit Nahrungsmitteln, beruflicher Förderung für die Eltern, aber auch mit einfachen Beihilfen wie Schulmaterialien.

In der Stadt Shewarobit, wo Zehntausende Menschen keinen Zugang zu Sanitäranlagen haben und die Hälfte der Krankheiten auf die katastrophale Hygienesituation zurückzuführen ist, überzeugte sich Capaul vom Fortschritt des sogenannten WASH-Projekts der Stiftung. Die Abkürzung WASH steht für Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene. „Bislang gibt es im Rahmen des Projekts 13 Baustellen, es entstehen dort Gemeinschaftstoiletten und sogenannte WASH-Cafés“, erklärt Capaul. In diesen Cafés können die Gäste für einen kleinen Obolus Toiletten und Duschen benutzen. Die Abwässer werden in Tanks gesammelt. Das dort entstehende Biogas wird für die Herde der Cafés genutzt: ein innovatives Konzept, das nicht nur die Sanitärversorgung verbessert, sondern auch Arbeitsmöglichkeiten für alleinerziehende Mütter schafft.

Von Shewarobit ging die Inspektionsfahrt weiter in die Danakil-Senke. In dieser wüstenartigen Tiefebene leben Nomaden vom Stamm der Afar. Derzeit leiden sie und ihre Herden besonders unter der schlimmsten Dürre seit 30 Jahren. Die Schafe und Ziegen finden wenig Futter, magern ab und sind unverkäuflich – damit fehlt den Menschen Geld, um Grundnahrungsmittel zu kaufen. „Wir fuhren durch eine mondähnliche Landschaft, durch die Kamele streiften“, erzählt Claudio Capaul. „Doch plötzlich erreichten wir grüne Felder!“ Ein lokaler Partner von Menschen für Menschen baute im Distrikt Subuli an einem der wenigen Flüsse Bewässerungskanäle und schuf so einen Garten Eden. Nun will die Stiftung weitere solcher Projekte ermöglichen, um den Nomaden Einkommens- und Überlebensalternativen zu ihrer regenabhängigen Viehzucht zu bieten.

„Die angestossenen Projekte sind jedes für sich absolut sinnvoll und stringent“, urteilt Claudio Capaul, „und unsere äthiopischen Partner zeichnen sich durch hohes Engagement aus.“ In einzelnen Afar-Gebieten sei aber die Ernährungslage für die Nomadenfamilien bereits kritisch. Es steht zu befürchten, dass sich die Situation Anfang des kommenden Jahres weiter verschlimmere, weil kein Regen in Sicht sei. Dann bräuchten gerade die Kinder unter fünf Jahren unbedingt Nahrungsmittelhilfen, sagt Capaul: „Derzeit untersuchen wir, wo diese Nothilfe am dringlichsten ist und wie wir sie organisieren können.“

Weitere Informationen über die Schweizer Stiftung, ihre Arbeit und Projekte sowie aktuelle Bildtstrecken erhalten Sie unter www.menschenfuermenschen.ch.

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